Ratgeber

Nachkalkulation: Hat sich der Auftrag gelohnt?

5 Min. Lesezeit · aktualisiert am 05.10.2026
Die meisten Handwerksbetriebe kalkulieren sorgfältig vor und rechnen nie nach. Ob ein Badumbau am Ende Geld gebracht hat, zeigt sich dann erst im Jahresabschluss – zu spät, um beim nächsten Angebot gegenzusteuern. Hier steht, welche drei Zahlen für eine Nachkalkulation reichen, wie du sie liest und wo die typischen Lücken liegen.
Das Wichtigste in Kürze
Die Vorkalkulation ist eine Schätzung, erst die Nachkalkulation zeigt, was tatsächlich verdient wurde.
Für den Anfang reichen drei Zahlen: abgerechnet netto, Material zum Einkaufspreis und die gebuchten Stunden.
Der Rohertrag je Stunde ist die wichtigste Kennzahl – liegt er unter deinem Stundensatz, war der Auftrag zu knapp kalkuliert.
Nachkalkulation taugt nur so viel wie die Zeiterfassung: Nicht gebuchte Stunden lassen jeden Auftrag besser aussehen.

Vorkalkulation schätzt, Nachkalkulation zählt

Vor dem Angebot schätzt du, wie viele Stunden und wie viel Material ein Auftrag braucht. Das ist die Vorkalkulation, und sie ist immer eine Annahme. Die Nachkalkulation vergleicht diese Annahme mit dem, was wirklich passiert ist: Wie viel wurde abgerechnet, wie viel Material ging drauf, wie viele Stunden stehen auf dem Auftrag.
Es geht dabei nicht um Buchhaltung und nicht um den Jahresabschluss. Die Nachkalkulation ist ein Werkzeug für dein nächstes Angebot. Wer weiß, dass Bäder im Altbau regelmäßig zwanzig Prozent länger dauern als gedacht, kalkuliert das nächste anders.

Die Zahlen, die du brauchst

Eine einfache Nachkalkulation kommt mit drei Werten aus: dem abgerechneten Betrag netto, also allen Rechnungen zum Auftrag ohne Umsatzsteuer, dem Material zum Einkaufspreis und den Arbeitsstunden, die auf den Auftrag gebucht sind. Zieht man das Material vom abgerechneten Betrag ab, bleibt der Rohertrag.
Aus dem Rohertrag zahlst du Löhne, Fahrzeuge, Werkstatt, Versicherungen und am Ende deinen Gewinn. Teilst du ihn durch die Stunden, bekommst du den Rohertrag je Stunde. Diese Zahl vergleichst du mit deinem Stundenverrechnungssatz – dem Betrag, den eine Stunde mindestens bringen muss, damit alle Kosten gedeckt sind.

So rechnest du einen Auftrag nach

Ein Beispiel: Ein Badumbau wurde mit 14.800 Euro netto abgerechnet. Das Material hat im Einkauf 5.200 Euro gekostet, auf dem Auftrag stehen 160 Stunden. Der Rohertrag liegt bei 9.600 Euro, je Stunde also bei 60 Euro. Rechnest du mit einem Stundensatz von 62 Euro, hat der Auftrag seine Kosten knapp nicht gedeckt.
Interessant wird es, wenn du die Abweichung suchst. Typische Ursachen lassen sich schnell prüfen.
Mehr Stunden als kalkuliert – wo genau, an welchem Gewerk oder Bauabschnitt?
Zusätzliches Material, das nicht als Nachtrag abgerechnet wurde
Leistungen, die im Angebot fehlten, aber gemacht wurden
Wartezeiten auf andere Gewerke oder auf Material

Der Fall, der schiefgeht

Ein Trockenbauer rechnet seine Aufträge nach und ist zufrieden: Fast alle liegen deutlich über dem Stundensatz. Erst bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass ein Teil der Stunden nie auf den Aufträgen gelandet ist. Fahrten, Materialholen und die Nacharbeit im Folgemonat wurden als „allgemein“ gebucht oder gar nicht.
Rechnet man diese Stunden zurück auf die Aufträge, fallen zwei davon unter den Stundensatz. Die Nachkalkulation war nicht falsch, aber sie hat mit unvollständigen Zahlen gerechnet. Deshalb gilt: Erst die Zeiterfassung sauber machen, dann nachrechnen. Und Nacharbeit aus der Gewährleistung wird genauso erfasst, auch wenn niemand sie bezahlt – sonst sieht niemand, was sie kostet.

Wann sich das Nachrechnen lohnt

Du musst nicht jeden Kleinauftrag nachkalkulieren. Lohnend sind Festpreis-Aufträge, große Projekte und Arbeiten, die du selten machst. Eine Viertelstunde je Auftrag reicht, wenn die Zahlen schon erfasst sind.
Der Ertrag ist erheblich: Findest du bei 250.000 Euro Jahresumsatz eine Auftragsart, die regelmäßig fünf Prozent unter dem Soll liegt, und machst sie ein Drittel des Umsatzes aus, sind das gut 4.000 Euro im Jahr, die du mit angepassten Preisen zurückholst.

Das Ergebnis je Projekt auf einen Blick

In HandwerkPapierlos zeigt die Auswertung „Projekt-Ergebnis“ für jedes Projekt, was abgerechnet wurde, was das Material im Einkauf gekostet hat, wie viele Stunden gebucht sind und welcher Rohertrag bleibt – insgesamt und je Stunde. Entwürfe und stornierte Rechnungen zählen nicht mit. Liegt ein abgeschlossenes Projekt unter dem Stundensatz aus deinen Firmendaten, ist es markiert.
Die Zahlen entstehen nebenbei: Stunden stempelt das Team direkt aufs Projekt, Material wird mit Einkaufspreis erfasst. Nacharbeit legst du als eigenes Projekt der Art „Gewährleistung“ an, damit sie nicht als offener Umsatz erscheint, ihre Stunden aber sichtbar bleiben.
Projekt-Ergebnis
Alle
Laufend
Abgeschlossen
Rohertrag
0 €
abgerechnet − Material
Rohertrag je Stunde
69 €
dein Satz 62 €
Je Projekt
Badsanierung Musterberger
Abgeschlossen · abgerechnet 14.800 € · Material 5.200 € · 160 h
9.600 €
60 €/h
unter Stundensatz
Dachgaube Musterhaus
Abgeschlossen · abgerechnet 22.400 € · Material 7.900 € · 190 h
14.500 €
76 €/h
Küche Musterholz
Aktiv · abgerechnet 6.200 € · Material 2.100 € · 48 h
4.100 €
85 €/h
Beispiel mit Musterdaten Nachgebaut aus der App: „Projekt-Ergebnis“
Dieser Beitrag gibt allgemeine, praktische Hinweise und ist keine Rechts- oder Steuerberatung. Für verbindliche Auskünfte zu deinem Fall hilft dir dein Steuerberater weiter. Für die Inhalte verlinkter Seiten sind deren Betreiber verantwortlich.
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