Viele Betriebe verkaufen ihre Stunde zu billig – nicht aus Großzügigkeit, sondern weil sie nur den Lohn ansetzen und alles andere vergessen. Dein Stundenverrechnungssatz muss aber weit mehr abdecken als das, was der Mitarbeiter bekommt. Hier steht, aus welchen Bausteinen sich ein tragfähiger Satz zusammensetzt und wie du ihn Schritt für Schritt ausrechnest.
Der Lohn eines Mitarbeiters ist nicht dein Stundensatz – du musst deutlich mehr ansetzen, um kostendeckend zu arbeiten.
Entscheidend sind die wirklich verrechenbaren Stunden: Urlaub, Krankheit und Fahrten senken die produktive Zeit spürbar.
Gemeinkosten wie Fahrzeug, Werkzeug, Versicherung und Büro müssen anteilig in jeder Stunde stecken.
Ganz am Ende kommt der Gewinnaufschlag – ohne ihn arbeitest du nur kostendeckend, aber verdienst nichts.
Warum der Lohn nicht dein Stundensatz ist
Wenn ein Geselle 25 Euro in der Stunde kostet, heißt das nicht, dass du dem Kunden 25 Euro berechnen darfst. Auf den reinen Lohn kommen Sozialabgaben, bezahlter Urlaub, Feiertage und Krankheitstage – der Mitarbeiter kostet dich also schon deutlich mehr, als auf seinem Lohnzettel steht. Und selbst dieser höhere Betrag ist erst der Anfang der Rechnung.
Der Stundenverrechnungssatz ist der Preis, zu dem du eine Arbeitsstunde an den Kunden verkaufst. Er muss alle Kosten des Betriebs tragen und obendrein einen Gewinn enthalten. Wer nur den Lohn ansetzt, zahlt am Ende drauf, ohne es sofort zu merken.
Die produktiven Stunden ermitteln
Ein Mitarbeiter ist im Jahr nicht durchgängig auf der Baustelle. Von den theoretischen Arbeitsstunden gehen Urlaub, Feiertage, Krankheit, Schlechtwetter sowie Fahrt-, Rüst- und Bürozeiten ab. Übrig bleiben die tatsächlich verrechenbaren – die „produktiven“ – Stunden, und die sind oft deutlich weniger, als man denkt.
Das ist der wichtigste Hebel: Deine gesamten Kosten verteilen sich nur auf diese produktiven Stunden. Je ehrlicher du sie ansetzt, desto belastbarer wird dein Stundensatz. Wer hier die Fahrten und Nebenzeiten schönrechnet, kalkuliert sich systematisch zu billig.
Gemeinkosten und Gewinn dazurechnen
Jetzt kommen die Kosten dazu, die nicht an einem einzelnen Auftrag hängen, aber trotzdem bezahlt werden müssen: Fahrzeug und Sprit, Werkzeug und Maschinen, Versicherungen, Miete, Telefon, Buchhaltung, Weiterbildung. Diese Gemeinkosten teilst du auf die produktiven Stunden auf – so trägt jede verkaufte Stunde ihren Anteil.
Zum Schluss der wichtigste und am häufigsten vergessene Schritt: der Gewinnaufschlag. Ohne ihn arbeitest du exakt kostendeckend – jede Überraschung, jede Investition und jede magere Woche bringt dich dann ins Minus. Der Gewinn ist keine Gier, sondern der Puffer, der deinen Betrieb am Leben hält.
Ein einfaches Rechenbeispiel
Angenommen, ein Mitarbeiter kostet dich mit allen Abgaben rund 40 Euro je tatsächlich geleisteter Stunde. Rechnest du die Gemeinkosten anteilig hinzu, landest du vielleicht bei 55 Euro – das ist dein Selbstkostensatz. Erst mit einem Gewinnaufschlag von etwa einem Fünftel ergibt sich ein Verrechnungssatz um die 66 Euro.
Die Zahlen sind nur ein Beispiel und je nach Gewerk, Region und Betrieb sehr unterschiedlich. Wichtig ist das Prinzip: vom Lohn über die produktiven Stunden und die Gemeinkosten bis zum Gewinn. Wer diese Kette einmal sauber durchrechnet, weiß endlich, ab welchem Preis sich die Arbeit wirklich lohnt.
Die Kalkulation stimmt erst nach der Nachrechnung
Der sauberste Verrechnungssatz nützt nichts, wenn er auf geschätzten Stunden beruht. Der eigentliche Erkenntnisgewinn kommt erst hinterher: Wie viele Stunden hat der Auftrag tatsächlich gekostet – und wie viele hattest du kalkuliert?
Diese Nachkalkulation ist unbequem, weil sie meist zeigt, dass man zu optimistisch war. Genau deshalb ist sie wertvoll. Wer nach fünf abgeschlossenen Aufträgen weiß, dass er im Schnitt fünfzehn Prozent länger braucht als gedacht, kalkuliert den sechsten realistisch – und diskutiert nicht mehr darüber, warum unterm Strich nichts hängen bleibt.
Denselben Blick lohnt sich beim Material: Was hast du eingekauft, was hast du berechnet? Die Differenz ist deine Marge, und sie ist oft eine andere als die, die du im Kopf hattest.
Der Mindestlohn ist die Untergrenze, nicht der Maßstab
Eine Grenze gibt es, unter die deine Rechnung nie rutschen darf: den gesetzlichen Mindestlohn. Er gilt für alle Arbeitnehmer und ist die absolute Untergrenze deiner Lohnkosten – in vielen Bauberufen liegen zusätzlich Branchen-Mindestlöhne darüber, die für alle Betriebe der Branche verbindlich sind.
Für die Kalkulation ist der Mindestlohn aber nur der Startpunkt, nicht das Ziel. Auf den Bruttolohn kommen Arbeitgeberanteile, Urlaub, Feiertage, Krankheit und unproduktive Zeit obendrauf – deshalb liegt dein tatsächlicher Stundenkostensatz deutlich über dem, was auf der Lohnabrechnung steht. Wer mit dem Bruttolohn kalkuliert, rechnet sich systematisch arm.
Einmal kalkuliert, immer parat
In HandwerkPapierlos hinterlegst du deine Preise einmal in deinem Leistungskatalog – dein kalkulierter Stundensatz landet dann automatisch in jedem Angebot und jeder Rechnung, statt jedes Mal neu geschätzt zu werden. Zusammen mit der Zeiterfassung siehst du, wie viele Stunden ein Auftrag wirklich gekostet hat, und erkennst früh, wo du dich verkalkuliert hast.
Für die Nachkalkulation aus diesem Artikel gibt es zwei Auswertungen: eine über die Stunden je Mitarbeiter und Baustelle, eine über das Material mit Einkaufs- und Verkaufspreis samt Marge. Damit beantwortest du die beiden Fragen, die am Ende über den Gewinn entscheiden – wo die Zeit hingegangen ist und was am Material wirklich hängen geblieben ist.
Quellen
Die Angaben in diesem Beitrag stützen sich auf die folgenden amtlichen Fundstellen. Die Links öffnen in einem neuen Tab.
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