Ratgeber

Angebot und Rechnung im Metallbau

7 Min. Lesezeit · aktualisiert am 12.08.2026
Metallbau ist zwei Geschäfte in einem: Geländer und Treppen für Bauherren auf der einen Seite, Zulieferung und Lohnarbeit für Industriekunden auf der anderen. Beide werden völlig unterschiedlich abgerechnet – und wer sie über einen Kamm schert, verliert entweder Geld oder Nerven bei der Rechnungsprüfung. Hier steht, wie du beide Seiten sauber trennst.
Das Wichtigste in Kürze
Bei Lohnarbeit für Industriekunden entscheidet die Auftragsnummer des Kunden über die Bezahlung – sie gehört in jede Position, nicht nur in den Betreff.
Trenne Materialmeter, Zuschnitt, Schweißen, Schleifen und Montage als eigene Positionen; ein Pauschalpreis pro Bauteil macht Nachträge unmöglich.
Schweißen und Schleifen haben unterschiedliche Stundensätze – hinterlege sie einmal im Leistungskatalog statt sie jedes Mal neu zu tippen.
Bei Montage auf fremder Baustelle rechnest du Anfahrt und Rüstzeit getrennt ab, sonst arbeitest du die Fahrt aus dem Stundensatz heraus.

Die Auftragsnummer des Kunden ist deine Rechnungsgrundlage

Wer für Industriekunden fertigt, bekommt keine Baustelle genannt, sondern eine Teile- oder Auftragsnummer. Die Einkaufsabteilung prüft die Rechnung gegen genau diese Nummer – steht sie nicht drauf oder steht sie nur im Betreff, während die Positionen anders heißen, geht der Beleg zurück und die Zahlungsfrist beginnt von vorn.
Praktisch heißt das: Jede Position trägt die Nummer des Kunden, nicht nur deine eigene Bezeichnung. Aus „Rahmen schweißen, 6 Std.“ wird „7115S937 Rahmen schweißen, 6 Std.“. Für dich ist das eine Zeile mehr, für die Buchhaltung deines Kunden der Unterschied zwischen Freigabe und Rückläufer.
Läuft ein Auftrag über mehrere Teilenummern, lohnt eine eigene Ordnung je Nummer: eigene Zeiterfassung, eigene Positionen, eigene Rechnung oder zumindest eine eigene Zwischensumme. Sonst diskutierst du am Monatsende darüber, welche Stunde auf welches Teil ging.

Material nach Meter, Arbeit nach Stunde – niemals vermischt

Im Metallbau steckt der Preis in beidem: im Rundrohr aus Edelstahl mit seinem Tagespreis und in den Stunden, die das Schleifen der Schweißnaht kostet. Wer daraus einen Quadratmeterpreis für „Geländer“ macht, kann bei steigenden Materialpreisen nicht nachverhandeln und bei einer Änderung des Kunden keinen Nachtrag begründen.
Die saubere Struktur trennt drei Blöcke: Materialpositionen nach Meter oder Stück – Rohr, Fußplatten, Rosetten, Handlaufzapfen, Dübel. Arbeitspositionen nach Stunde – Zuschnitt, Schweißen, Schleifen. Und die Positionen rund um den Einbau – Anfahrt, Montagevorbereitung, Montage.
Der Nebeneffekt ist wertvoller als die Ordnung selbst: Sobald Material und Arbeit getrennt stehen, siehst du nach ein paar Aufträgen, woran du tatsächlich verdienst. Bei den meisten Betrieben ist das nicht das Material.

Warum Schleifen teurer ist als Schweißen

Ein Stundensatz für alles ist im Metallbau die teuerste Vereinfachung. Schweißen ist qualifizierte Arbeit am Werkstück, Schleifen und Finishen bei Edelstahl ist Handarbeit, die sich schlecht beschleunigen lässt und bei sichtbaren Oberflächen den Löwenanteil der Zeit frisst.
Wer beides mit demselben Satz abrechnet, subventioniert die Sichtoberfläche aus der Schweißarbeit heraus – und wundert sich, warum ausgerechnet die schönen Aufträge am wenigsten übrig lassen. Hinterlege deshalb je Tätigkeit einen eigenen Satz und setze ihn beim Angebot nur noch ein.
Dasselbe gilt für die Montage vor Ort: Eine Stunde auf der Baustelle mit Anfahrt, fremdem Gerüst und wartenden Gewerken ist nicht dieselbe Stunde wie eine in der eigenen Werkstatt.

Aufmaß beim Geländer: messen, bevor du kalkulierst

Bei Geländern und Handläufen entsteht der Streit fast immer an der Länge und an den Befestigungspunkten. Eine Treppe mit fünf Pfosten ist ein anderer Auftrag als dieselbe Länge mit neun – und ob in Beton, Holz oder Stahl gedübelt wird, entscheidet über Material und Zeit.
Halte im Angebot fest, welche Länge du zugrunde legst, wie viele Pfosten enthalten sind und in welchen Untergrund montiert wird. Weicht die Baustelle davon ab, hast du eine belastbare Grundlage für den Nachtrag statt einer Diskussion über das, was man sich damals gedacht hat.

Zulieferung an Bauunternehmen: Rechnung ohne Steuerausweis

Arbeitest du als Metallbauer für ein Bauunternehmen, das seinerseits Bauleistungen erbringt, schuldet in der Regel nicht du die Umsatzsteuer, sondern dein Auftraggeber. Auf der Rechnung steht dann kein Steuerbetrag, sondern der Hinweis, dass der Leistungsempfänger die Steuer schuldet.
Ob dein konkreter Auftrag darunterfällt, hängt daran, ob dein Werk fest mit dem Bauwerk verbunden wird und ob dein Kunde nachhaltig Bauleistungen erbringt. Ein eingebautes Treppengeländer ist etwas anderes als ein Bauteil, das du in die Halle des Kunden lieferst. Weist du versehentlich Steuer aus, schuldest du den Betrag zusätzlich, bis du die Rechnung berichtigst.
Diese Frage klärst du einmal je Auftraggeber mit deinem Steuerberater und weißt sie danach für alle weiteren Rechnungen an denselben Kunden.

So läuft es in HandwerkPapierlos

Deine Sätze und Materialpositionen liegen im Leistungskatalog: Rundrohr nach Meter, Fußplatten nach Stück, Schweißen und Schleifen mit ihren eigenen Stundensätzen. Beim Angebot suchst du sie heraus, statt sie zu tippen.
Für Lohnarbeit legst du je Auftragsnummer des Kunden einen eigenen Auftrag an und stoppst die Zeit direkt in der Werkstatt – Start beim Anfangen, Stopp beim Aufhören. Am Monatsende stehen die Stunden nach Nummer sortiert da und wandern per Tipp in die Rechnung, ohne dass du einen Zettel suchst.
Dieser Beitrag gibt allgemeine, praktische Hinweise und ist keine Rechts- oder Steuerberatung. Für verbindliche Auskünfte zu deinem Fall hilft dir dein Steuerberater weiter. Für die Inhalte verlinkter Seiten sind deren Betreiber verantwortlich.
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