Ratgeber

Angebot und Rechnung im Elektrohandwerk

7 Min. Lesezeit · aktualisiert am 12.08.2026
Kaum ein Gewerk mischt so viele Abrechnungsarten wie das Elektrohandwerk: Der Neubau läuft pauschal nach Angebot, die Störung beim Stammkunden nach Regie, der Notdienst am Sonntag mit Zuschlag, und dazwischen liegen Prüfungen, die dokumentiert werden müssen. Wer diese Formen sauber trennt, streitet seltener über Rechnungen.
Das Wichtigste in Kürze
Lege vor dem ersten Handgriff fest, ob nach Aufwand oder pauschal abgerechnet wird – nachträglich lässt sich das nicht mehr klären.
Regiearbeit lebt vom Nachweis: Datum, Person, Zeitspanne und Tätigkeit gehören auf den Beleg, nicht nur die Summe der Stunden.
Kleinmaterial über eine Pauschale abzurechnen ist ehrlicher und schneller als eine Rechnung mit dreißig Positionen zu drei Euro.
Prüfergebnisse gehören ins Protokoll, nicht in die Rechnung – aber das Protokoll gehört zur Leistung, die du abrechnest.

Regie oder Pauschale – die Entscheidung fällt vorher

Der häufigste Streitpunkt im Elektrohandwerk ist nicht der Stundensatz, sondern die Frage, ob überhaupt nach Stunden abgerechnet werden darf. Bei einer Störungssuche weiß niemand vorher, wie lange sie dauert – das ist der klassische Fall für Regie. Beim Neubau mit klarem Leistungsverzeichnis erwartet der Kunde einen Festpreis.
Schreib die gewählte Form ins Angebot oder in die Auftragsbestätigung, mit einem Satz: nach Aufwand zum vereinbarten Satz, oder pauschal für den beschriebenen Umfang. Das kostet dich eine Zeile und erspart dir die Diskussion am Ende, in der es immer der Kunde ist, der sich an eine Pauschale erinnert.
Mischformen sind erlaubt und oft am ehrlichsten: Die Grundinstallation pauschal, Zusatzwünsche während der Bauphase nach Aufwand. Nur muss die Grenze zwischen beidem vorher benannt sein.

Regiearbeit steht und fällt mit dem Nachweis

Eine Regierechnung, auf der nur „16 Stunden Elektroarbeiten“ steht, wird gekürzt – nicht weil der Kunde unehrlich ist, sondern weil er nichts zu prüfen hat. Nachvollziehbar wird es erst mit Datum, Person, Zeitspanne und einer knappen Tätigkeit je Einsatz.
Am besten entsteht dieser Nachweis dort, wo gearbeitet wird, und nicht abends aus dem Gedächtnis. Wer die Zeit direkt beim Kunden erfasst und die Tätigkeit in einem Satz dazuschreibt, hat den Nachweis fertig, bevor er im Auto sitzt – und liegt bei den Stunden näher an der Wahrheit als jede Rekonstruktion.
Bei größeren Aufträgen lohnt es sich, den Nachweis regelmäßig mitzuschicken statt erst mit der Schlussrechnung. Wer wöchentlich sieht, was aufläuft, kürzt am Ende nicht.

Material: Aufschlag ja, Positionsflut nein

Im Elektrohandwerk fällt viel Kleinmaterial an: Klemmen, Dosen, Leitungsreste, Schrauben. Jede Klemme einzeln abzurechnen ist buchhalterisch korrekt und praktisch unbrauchbar – es kostet dich mehr Zeit, als das Material wert ist, und produziert eine Rechnung, die niemand liest.
Üblich und akzeptiert ist eine Kleinmaterial-Pauschale, entweder als fester Betrag oder als Prozentsatz auf die Arbeitszeit. Größere Teile – Verteiler, Schalter, Leuchten, Kabeltrommeln – stehen einzeln mit Menge und Preis. Wichtig ist nur, dass die Pauschale im Angebot benannt ist und nicht in der Rechnung überrascht.

Zuschläge für Notdienst und Wochenende

Der Sonntagseinsatz ist der Klassiker für Ärger: Der Kunde ruft in der Not an, freut sich über die schnelle Hilfe und ist zwei Wochen später über den Zuschlag verblüfft. Das lässt sich vollständig vermeiden, indem die Zuschläge am Telefon genannt werden, bevor der Wagen losfährt.
Auf der Rechnung stehen sie dann als eigene Positionen – Grundstunde und Zuschlag getrennt – statt in einem erhöhten Mischsatz zu verschwinden. Getrennte Ausweisung wirkt teurer, wird aber seltener beanstandet, weil der Kunde sieht, wofür er zahlt.

Prüfungen dokumentieren, nicht nur abrechnen

Prüfungen an ortsfesten Anlagen und Geräten sind eine wiederkehrende Leistung mit einem Ergebnis, das den Kunden überdauert. Die Rechnung darüber ist das eine, das Protokoll das andere – und für den Kunden das eigentlich Wertvolle, weil er es seiner Versicherung oder dem Prüfer vorlegen kann.
Wer die Protokolle sauber archiviert und beim nächsten Turnus wiederfindet, hat ein Wartungsgeschäft statt einzelner Aufträge. Genau darin liegt der Unterschied zwischen einem Betrieb, der jedes Jahr neu akquiriert, und einem, der jedes Jahr planbar wiederkommt.

So läuft es in HandwerkPapierlos

Für Regieaufträge erfasst du die Zeit beim Kunden und ergänzt die Tätigkeit in einem Satz; der Stundennachweis entsteht daraus von allein und hängt an der Rechnung. Für Pauschalaufträge legst du den Umfang im Angebot fest, und Zusatzwünsche werden zum Nachtrag statt zur stillen Mehrarbeit.
Wiederkehrende Prüfungen legst du als Wartungsvertrag an: Die App merkt sich den Turnus, meldet den fälligen Termin und hält die Protokolle beim Kunden – auch das vom vorletzten Mal.
Dieser Beitrag gibt allgemeine, praktische Hinweise und ist keine Rechts- oder Steuerberatung. Für verbindliche Auskünfte zu deinem Fall hilft dir dein Steuerberater weiter. Für die Inhalte verlinkter Seiten sind deren Betreiber verantwortlich.
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